Weitstreckentauben

Die medizinische Begleitung im Sport kennt viele Varianten, obwohl vieles übersehen wird und alles auch schon mehr oder weniger über den Haufen geworfen wurde.

Es ist natürlich schon ein Unterschied, ob Sie die medizinische Betreuung von Kurzstreckentauben oder Weitstreckentauben betrachten. Auch Mittelstreckentauben bedürfen einen anderen Ansatz.

Kurz gesagt, die Art und Weise des Taubenspiels hat Einfluss auf die medizinische Begleitung.

Die Häufigkeit mit der die Tauben an Wettflügen teilnehmen spielt bereits eine wichtige Rolle. Wie lange ist die Erholungsphase? Das deutsche Programm erfordert eine rasche Erholung und es kann wenig dem Zufall überlassen werden. Die Weitstrecke bieten in dieser Hinsicht mehr Möglichkeiten und es kann daher anders verfahren werden.

Bei den Weitstreckentauben gelten andere Kriterien bei der medizinischen Versorgung als bei den Programmtauben. In der Tat müssen die Programmtauben vom Start weg tiptop ins Rennen gehen, während die Weitstreckentauben am Anfang der Saison vor allem Kilometer fliegen müssen.

Dennoch hat jeder Liebhaber die moralische Verpflichtung sicherzustellen, dass seine Tauben auch auf Trainingsflügen gesund sind. Es ist falsch zu sagen, dass sie noch nicht auf die Gesundheit achten, da es noch um nichts geht. Das kann von ihrem eigenen Standpunkt betrachtet richtig sein, obwohl ich bezweifle dies.

Aber nochmals, die moralische Pflicht besteht gegenüber den Taubenzüchterkollegen und den Tauben allemal, keine Tauben mit schweren Infektionen einzusetzen. Wir alle müssen begreifen, dass Taubensport Spitzensport bedeutet und ein Mass an Selbstdisziplin erfordert.

Ich denke, es ist selbstverständlich, dass alle Liebhaber aus Kollegialität nur gesunde Tauben an Wettflügen teilnehmen lassen. So können wir alle auch dazu beitragen, den Medikamenteneinsatz zu reduzieren.
Abgesehen davon ist es ein Irrglaube anzunehmen, dass mit Trichomonaden, Kokzidien oder Würmer infizierte Tauben geschweige denn Tauben mit Infektionen der Luftwege, Trainingskilometer absolvieren können.

Infizierte Tauben müssen einen überdimensionalen Aufwand zu Lasten der Muskeln auf sich nehmen. Diese Tauben können sich nicht ausreichend auf die eigentliche Aufgaben, für die sie bestimmt sind, vorbereiten. Vorraussetzung für ein ordnungsgemässes und effizientes Training ist, dass die Tauben gesund sind.

Mit dem Ansatz, den Einsatz von Medikamenten zu reduzieren, begannen wir Anfang 2009 mit einer kleinen Studie. Wir gingen von der Annahme aus, dass eine gute Gesundheit mit dem Fokus einer höchstmöglichen Widerstandsfähigkeit hilft, Ausbrüche von Krankheit zu reduzieren und den Bedarf an Antibiotika und Chemotherapeutika ebenfalls einzuschränken.

Weil die Ergebnisse tatsächlich besser sind als erwartet sind wir soweit, diese Ihnen vorzustellen.

Anfang 2009 konzipierten wir den Plan, Tauben aus den verschiedenen Wettflugkategorien zu verfolgen. Ich beschränke mich in diesem Bericht auf die Weitstreckentauben.

Die Studie wurde auf eine definierte Zahl von Weitstreckenschlägen begrenzt. Einige von ihnen zeigten in den Vorjahren bei der Frühjahrsuntersuchung oft Trichomonaden, bei denen die Infektionsrate so hoch war, dass ich manchmal Angst hatte, dass Trichomonaden aus meinem Mikroskop springen würden. So schwarz sah es auf dem Untersuchungsträger aus. Harte Behandlungen waren oft in solchen Fällen notwendig.

Der Verlauf der Untersuchungen

Wir haben im Jahr 2009 die Tauben vor der Zucht auf Trichomonaden, Kokzidiose und Würmer untersucht. Wo erforderlich wurde während des Brütens eine Kur gegen Trichomonaden durchgeführt. Die Tauben bekamen auch Bony-SGR und Bony-Omega-3-Zuchtöl.

Der Jungen aus diesen Tauben waren bei der Überprüfung frei von Trichomonaden, sodass kein Medikament verabreicht wurde.

Wir beschränkten uns bei diesen Jungtauben bis August auf die Gabe von Bony- Mineralien, Bony-SGR und Bony-Zucht-Öl – je zweimal pro Woche.

Nach der Weitstreckensaison 2009 begann die eigentliche Studie. Die Jungtauben und die Reisetauben erhielten zweimal pro Woche Bony-SGR, Bony -Mineralien, 1 x 10 Tropfen je 14 Tage Bony-Mineral und einmal pro Woche Bony-BMT, Basiskern und Nuceovit.

Die drei letztgenannten alle zusammen über das Futter. Außerdem ein ausgewogenes Futter. Klares Trinkwasser an den Tagen an denen sie nicht Bony-SGR bekamen.

Die Kombination von Nahrungsergänzungsmitteln, wie beschrieben, sollte sicherstellen, dass die Tauben natürlich gesund gehalten werden.

Es wurde vereinbart, keine Medikamente zu verabreichen solange es keine Notwendigkeit gäbe dies zu tun.
Um diese mögliche Notwendigkeit zu erkennen, wurden die Tauben alle 4-6 Wochen kontrolliert. Es wurde der Kot auf Nährboden gesetzt. Darüber hinaus wurde der Kot mikroskopisch untersucht, die Tauben einzeln begutachtet und Rachenabstriche genommen.

Als weitere Studie wurde auch die bakteriologische Untersuchung der Atemwege und des Kropfes durchgeführt.

Wir erwarteten, dass die Tauben nur wenige Symptome in den Herbst-und Wintermonaten zeigen würden.
Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass mit Ausnahme einiger Kokzidien nichts festzustellen war. Im Dezember waren die Tauben tiptop drauf. Sie zeigten sich für die Jahreszeit tatsächlich durchschnittlich bis gut.

Überrascht waren wir über die Tatsache, keine Trichomonaden zu finden.

Ab Januar 2010 wurden die Tauben alle vier Wochen untersucht.

Die Jährigen hatten sich körperlich sehr gut entwickelt (evtl. durch die Anwendung von Nucleovit. Sie waren fast voller als die alten Tauben)

Der Einsatz der Produktkombination schien tatsächlich Früchte zu tragen und der Medikamenteneinsatz konnte auf ein Minimum reduziert werden.

Es sollte festgehalten werden, dass die Jungtauben seit ihrer Geburt im Jahr 2009 bis jetzt keine Medikamente bekommen haben! Absolut nichts.

Es war auch wichtig zu wissen wie sie sich während der Trainingslüge verhalten. Die Tauben wurden in den letzten Wochen im Durchschnitt dreimal durch ihre jeweiligen Liebhaber eingesetzt bevor sie zur monatlichen Kontrolle kamen.

Ich habe nicht alle Tauben kontrolliert aber bei den Tauben, welche ich mir angesehen habe, war nur eine mit Trichomonaden infiziert. Es war ein Jähriger der noch nie etwas gegen Trichomonaden bekommen hatte.

Bei den übrigen Tauben waren auch die Atemwege sauber und nur eine der anderen Tauben zeigte eine leichte Reizung der Atemwege.

Wir können mit einem hohen Grad an Gewissheit sagen, dass diese Tauben diese Infektionen während des Korbaufenthaltes bekommen haben.

Wir schliessen daraus, dass eine Gesundheitskontrolle während der Wettflugsaison notwendig bleibt.
Wir stellen jedoch fest, dass es durchaus möglich ist Weitstreckentauben bis Mai frei von Infektionen der Atemwege und anderen häufigen Erkrankungen zu halten. Dies durch die Stärkung des Abwehrsystems.

Und wie diese Studie zeigt sind Medikamente in vielen Fällen nicht nötig.
Die alten Weitstreckentauben hatten über 9 Monate absolut keine Medikamente bekommen.

Im weiteren Verlauf dieser Studie erhalten die Tauben eine individuelle Behandlung, um die Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen auf die Gesundheit der Tauben zu erforschen. Eine Taube, die jetzt Trichomonaden aufweist, wird auch einzeln behandelt um sicherzustellen, dass die Taube, obwohl sie nur wenige Parasiten aufweist, keine weiterverbreitet.

Danach steht der nächste Trainingsflug an (wir haben jetzt den 1. Mai als ich diese Zeilen schreibe). Wenn sie diesen hinter sich haben werde ich sie nochmals untersuchen dann sind sie bereit für die eigentliche Aufgabe, die Weitstreckenflüge.

Es ist notwendig, dass sie für diese Arbeit mit zielgerichteten Medikamenten, vor allem aber mit Nahrungsergänzungsmitteln versorgt werden und die Leistungfähigkeit verbessern.

Das Ziel ist es zu beweisen, dass die minimalistische Gabe von Medikamenten bei gleichzeitigem, zielgerichtetem Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln besser für die Tauben ist als der häufige Medikamenteneinsatz.

Nach der Lektüre dieser Zeilen werden böse Zungen sagen, dass ich meine eigene Predigt predige. Nichts von dem entspricht der Wahrheit. Wir haben oben genannte Basiskombinationen im Rahmen von Grundlagenforschungen entwickelt und im Laufe der Zeit festgestellt, dass die Wirksamkeit bestätigt ist.

Es gibt sicherlich auch andere Kombinationen aus natürlichen Wirkstoffen die sich bewährt haben. Was jedoch entscheidend ist, ist zu zeigen, dass es nicht notwendig ist Tauben mit Medikamenten vollzustopfen. Wir müssen nur sicherstellen, dass die eigenen Abwehrkräfte unserer Athleten funktionieren.

Über den Autor:

Dr. Peter Boskamp ist Tierarzt. Besuchen Sie seine Praxis. Die Fragen unserer geschätzten Besucher beantwortet Dr. Peter Boskamp kostenfrei in unserer Taubensprechstunde.

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